Thomas Galli

Buchempfehlung: “Die Gefährlichkeit des Täters” von Thomas Galli

“Die Gefährlichkeit des Täters” ist ebenso wie Thomas Gallis erstes Buch “Die Schwere der Schuld” kein Fachbuch. Es richtet sich vielmehr an eine breitere Leserschaft mit Interesse an dem Thema Kriminalität.

Im Mittelpunkt von Thomas Gallis neuem Buch stehen Straftäter (ihre Biographien, ihre Straftaten und ihr Leben hinter Gittern), die schlimmste Straftaten begangen haben. So soll etwa in einer Geschichte ein Sexualmörder nach einer Therapie in Haft erneut Hafturlaub bekommen. Der Autor, der u.a. 7 Jahre lang in der bayerischen Hochsicherheitsanstalt Straubing tätig war, wirft anhand konkreter Einzelfälle die Fragen auf, ob unser Staat bei der Einschätzung und im Umgang mit gefährlichen Straftätern von den richtigen Grundannahmen ausgeht, ob nicht zum Teil staatliches Verhalten Gefahren erst provoziert, ob die Allgemeinheit vor den sehr wenigen höchst gefährlichen Tätern tatsächlich ausreichend gesichert ist und ob in der angst-und wutgesteuerten Fixierung auf die Täter den Opfern noch gerecht wird.

Letztlich stehen die einzelnen Erzählungen für sich selbst, der Leser mag sich seine eigene Meinung bilden, die durchaus von der des Autors abweichen kann. Wie ein roter Faden zieht sich aber durch alle Erzählungen in “Die Gefährlichkeit des Täters” ebenso wie schon in “Die Schwere der Schuld” die nach Ansicht des Autors fehlende Fähigkeit des Staates zu kritischer Selbstreflexion. Wenn sich diese nicht einstellt, wird dies, langfristig gesehen, gefährlich.

Wir empfehlen, wie der Autor selbst, “Die Gefährlichkeit des Täters” als Meinungsbildungsbaustein. Galli hat mit seinem Background Einblicke in ein System, das auch 2016 noch weit davon entfernt ist, seinen eigenen Vordenkern hin zum vollzugsrechtlichen Prinzip tatsächlicher Resozialisierung zu folgen. Gemäß § 2 Satz 1 des 1977 reformierten Strafvollzugsgesetzes soll „im Vollzug der Freiheitsstrafe der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen“. Hier zeigt der Autor bereits in der “Schwere der Schuld” auf, wie schwer sich die Institution Strafvollzug nach wie vor damit tut, dieses klar definierte Vollzugsziel anzunehmen, in Konzepte zu packen und in vollzugspraktisches Handeln zu übertragen. Hierbei liefert Thomas Galli keine fertigen Konzepte, sondern lässt dem Leser genug Freiraum, um aus gewonnenen Eindrücken eine eigene Sicht und daraus Ideen zu entwickeln.

“Die Gefährlichkeit des Täters” erzählt Geschichten von Menschen, für die unsere Gesellschaft Verantwortung trägt – in jeder Hinsicht, bei jeder Draufsicht und, bestenfalls, mit der nötigen Weitsicht.

Aufschluss empfiehlt dieses Buch auch, weil wir der festen Überzeugung sind, dass aufrichtige Empathie für Verbrechensopfer nur durch eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Psyche des Täters möglich ist. Selbst wenn Betroffenen von schwersten Verbrechen diese Auseinandersetzung nichts zurückgeben kann, so ist die Beantwortung der Frage nach dem Warum fast immer Basis für ein Danach. “Die schwere der Schuld” ist auch ein Buch für Opfer; Gallis Neuveröffentlichung dürfte dem in nichts nachstehen.

Zum Buch
Titel: “Die Gefährlichkeit des Täters”
Erscheint am: 13. Februar 2017
Erscheint bei: Das neue Berlin
Erschheint als: Taschenbuch (176 Seiten)
Erscheint in: Deutsch
ISBN-10: 3360013182
ISBN-13: 978-3360013187

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(Bildquelle: amazon.de / Thomas Galli)

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