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Gefängnisse in Rheinland-Pfalz überfüllt – Doppelzelle mit Frühstück

Den Gefängnissen in Rheinland-Pfalz gehen die Zellen aus. Fünf Haftanstalten können ihre männlichen Gefangenen nicht mehr in Einzelzellen unterbringen – obwohl ihnen die zusteht. Besonders gravierend ist die Situation in der JVA Rohrbach im rheinhessischen Wöllstein.

Einzelzelle war gestern. In der JVA Rohrbach müssen sich Häftlinge zurzeit eine Zelle teilen. Für insgesamt 34 Männer gibt es an diesem Tag keine eigene Zelle. Die stellvertretende Leiterin der Einrichtung Annabel Franzen hat deshalb ein Problem. Denn eigentlich hat jeder Häftling einen Anspruch darauf.

“Wir können ja kein Schild vor die Tür hängen ‘Wegen Überbelegung geschlossen'”, sagt sie. “Wir haben einen Vollstreckungsplan, der genau regelt, welche Gefangenen zu uns kommen sollen und die müssen wir auch aufnehmen.” Das Gesetz gebe vor, dass sie einzeln untergebracht werden müssten – außer sie wollten ausdrücklich gemeinschaftlich untergebracht werden.

Alle Beamten in ihrer Abteilung müssten daher zurzeit viel Fingerspitzengefühl zeigen – und Überredungskunst. Das Ziel: Mehr Häftlinge sollen sich eine Zelle teilen. So wie Ricky Steven G. und Carsten Thomas M. Der eine wegen Körperverletzung, der andere wegen Drogen inhaftiert. Die beiden glauben, es gut miteinander aushalten zu können.

“Man beschnuppert sich hier und wir haben uns eben von Anfang an gut verstanden”, erzählt Häftling Ricky. “Da haben wir gesagt, warum sollen wir es uns so schwer machen, wenn man’s auch einfach haben kann – machen wir ne Doppelzelle!” Auch Mitbewohner Carsten findet das inzwischen angenehmer als alleine zu leben: “Sonst würd ich mir wahrscheinlich ‘nen totale Kopp machen”, sagt er.
Gute Führung gefährdet?

Aber nicht alle in der JVA Rohrbach sehen das so entspannt. Insasse Emanuel M. zum Beispiel kann sich nicht vorstellen, seine Zehn-Quadratmeter-Zelle mit einem anderen Häftling zu teilen. Noch ein bis zwei Jahre wegen Körperverletzung hat er abzusitzen. Gute Führung vorausgesetzt. “Hier hab ich meine Privatsphäre, kann ein bisschen abschalten, hier gibt’s auch kein Streit mit anderen Mitgefangenen”, sagt er.

Einen reibungslosen Gefängnisbetrieb zu garantieren, ist für eine Anstalt am Rande der Aufnahmekapazität kaum mehr möglich. Das Problem: Die Belegung des Gefängnisses ändert sich täglich. Fast täglich müssen daher auch einige der rund 400 Insassen umquartiert werden, denn Annabell Franzen und ihre Kollegen haben nur 387 Zellen zur Verfügung.

Kein Einzelfall

Auch in den anderen Haftanstalten in Rheinland-Pfalz herrschen Engpässe in der Unterbringung. Nachdem in den letzten Jahren seit 2012 die Anzahl der männlichen Gefangenen zurückging ist nun wieder ein Anstieg zu verzeichnen. Laut einer Statistik der JVA Koblenz ist die Hälfte der Gefängnisse in Rheinland-Pfalz bei den männlichen Insassen im geschlossenen Vollzug überbelegt. Die Anstalten im Land sind daher dazu angehalten, sich untereinander aushelfen.

Dieser Artikel ist erschienen bei swr.de. (Alle Textrechte hat der genannte Inhaltsanbieter)

(Bildquelle und alle Rechte des Titelbildes: swr.de)

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