Schlagwort-Archive: Resozialisierung

JVA Hagen: Ein besonderes Gefängnis, die Einweisungsanstalt

Vom Hagener Gefängnis habt ihr bestimmt schon einmal etwas gehört. Es handelt sich um eine besondere Justizvollzugsanstalt (JVA). Zwar sitzen hier, wie in anderen Gefängnissen, Strafgefangene ein.

Aber niemand von ihnen muss hier seine gesamte Strafzeit absitzen. Denn die Hagener JVA ist ein Einweisungsgefängnis. Das bedeutet: Zahlreiche Straftäter werden nach ihrer Verurteilung vor Gericht zunächst in die JVA Hagen eingewiesen. Hier wird dann gründlich untersucht, welches Gefängnis für ihre Resozialisierung am ehesten in Frage kommt.

Mit Resozialisierung ist gemeint, dass Verbrecher nicht bloß für eine bestimmte Dauer in einem Gefängnis eingesperrt bleiben, sondern sie sollen die Zeit nutzen, um etwas zu lernen. Sie dürfen zum Beispiel einer Arbeit nachgehen und etwas Geld verdienen. Das alles soll ihnen helfen, sich später, wenn sie wieder in die Freiheit entlassen werden, besser in der Gesellschaft zurechtzufinden, einen Beruf zu ergreifen und keine Straftaten mehr zu begehen.
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Russland: Zwangsarbeit statt Haft – Gefängnissystem moralisch und finanziell belastend

Fast jeder zweite Häftling ist Wiederholungstäter, weil es kein Konzept zur Resozialisierung gibt. Das soll sich mit “Besserungszentren” ändern Russland hat mit dem neuen Jahr seinen Strafenkatalog erweitert: Richter können nun bei einigen Vergehen statt einer Haftstrafe Zwangsarbeit anordnen.

Die russische Gefängnisbehörde FSIN eröffnet im Januar vier “Besserungszentren” – in Sibirien, Russlands Fernost, im Kaukasus und im Wolgagebiet – und sieben Aufnahmepunkte für Zwangsarbeiter. Insgesamt bieten sie zunächst einmal 900 Verurteilten Platz. Im Gegensatz zur Haftstrafe seien die Täter “nicht von der Gesellschaft isoliert”, betont Waleri Maximenko, Vizedirektor der FSIN. Sie könnten Telefon und Internet benutzen, einen Teil des verdienten Geldes behalten, einen Arzt aufsuchen und nach Verbüßung von einem Drittel der Strafe auch außerhalb der Zentren mit ihren Familien zusammenleben.
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Kriminelle Senioren: Resozialisierung mit 75?

Viele Menschen sind im Alter noch aktiv, manche Straftäter ebenso. Ist die Justiz richtig aufgestellt? Geld- und Haftstrafen sind nach Ansicht von Experten in vielen Fällen jedenfalls nicht angemessen. (Von Bernhard Sprengel, dpa)

Vor dem Amtsgericht Hamburg steht ein 75-Jähriger und weiß nicht genau warum. Der Elblotse soll ein Binnenschiff gegen eine wichtige Autobahnbrücke gesteuert und einen Millionenschaden verursacht haben. Doch er kann sich an den Vorfall knapp ein Jahr zuvor kaum erinnern. Der Richter fragt den Angeklagten nach seinem Alter. Der Mann muss passen. «Ich weiß nicht, welches Jahr wir haben», sagt er schließlich. Auch auf die Frage, seit wann er verheiratet ist, kann er nicht antworten. «Es ist gut, dass Ihre Frau das nicht hört», sagt der Richter noch humorvoll. Doch als der Angeklagte auch die Namen seiner beiden Enkelkinder nicht nennen kann, unterbricht der Richter das Verfahren. Ein Gutachter erklärt den 75-Jährigen später für verhandlungsunfähig.
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Galileo-Beitrag: “Das Leonhard-Programm – vom Häftling zum Unternehmer”

Vom Knast direkt in die Selbständigkeit! Mithilfe des Leonhard-Programms soll Gefängnisinsassen die Möglichkeit gegeben werden, ein eigenes Start-up zu gründen. Doch funktioniert das auch wirklich?

Der folgende Beitrag lief am 09.02.2017 auf Pro7 als Teil des Galileomagazins (Staffel 8). Alle Bitragsrechte (Film/Ton) liegen bei der ProSiebenSat.1 Digital GmbH, Medienallee 6, D-85774 Unterföhring. Die Ausschnitte aus der JVA München sind während des 10. Leonhard-Kurses entstanden. Das Tagebuch der Teilnehmer ist hier einzusehen.
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DFB besucht JVA Neuburg: Kann Fußball Strafgefangene resozialisieren?

Wenn so viel schief gelaufen ist, wie will der Fußball alles wieder richten? Vor acht Jahren wagte die DFB-Stiftung Sepp Herberger mit einer Initiative namens “Anstoß für ein neues Leben” den Versuch, junge Strafgefangene auf ihrem schwierigen Weg zurück in eine bürgerliche Existenz zu begleiten. Das Programm überzeugte. Heute gehört der “Anstoß” in 17 Justizvollzugsanstalten und neun Bundesländern zum Gefängnisalltag. Jährlich wird ein Finalturnier ausgetragen. Prominente wie etwa Oliver Kahn, Otto Rehhagel und der 27-malige Nationalspieler Wolfgang Dremmler gehen für Deutschlands älteste Fußballstiftung ins Gefängnis. Überall kooperieren die zuständigen Justizminister.

Doch eint die Biographien der Straftäter allzu oft eine verhängnisvolle Verkettung zerstörerischer Ereignisse. Das dysfunktionale Elternhaus, frühe Gewalterfahrung, schulische Misserfolge, habitueller Drogenkonsum. Schließlich Verbrechen und Verurteilung. Reicht der Fußball hier wirklich – zur Läuterung und als Kompass für eine erfolgreiche Eingliederung in die Gesellschaft?
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Hamburg: FDP fordert Runden Tisch für entlassene Straftäter

Die Bemühungen des Justizsenators, ein Resozialisierungsgesetz auf den Weg zu bringen, genügen den Liberalen nicht. Sie verlangen mehr Engagement, um die Rückfallquote von ehemaligen Gefangenen zu senken. (Von Jana Werner)

Wenn die Hamburgische Bürgerschaft von Dienstag bis Donnerstag über den Doppelhaushalt 2017/2018 debattiert, dann werden sich der rot-grüne Senat und die Opposition erfahrungsgemäß einen Schlagabtausch über ein sinnvolles Ausgeben der Mittel liefern. So ist es auch im Ressort von Justizsenator Till Steffen (Grüne), insbesondere im Bereich Resozialisierung. Denn die Anstrengungen des Senators, ein Resozialisierungsgesetz auf den Weg zu bringen, genügen der FDP-Fraktion nicht. „Wir fordern zu den Haushaltsberatungen dringend mehr Engagement und eine Verbesserung der Resozialisierung in Hamburg durch vier innovative Ansätze“, kündigt die justizpolitische Sprecherin der Liberalen, Anna von Treuenfels-Frowein, im Gespräch mit der „Welt“ an.
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Buchempfehlung: “Die Gefährlichkeit des Täters” von Thomas Galli

“Die Gefährlichkeit des Täters” ist ebenso wie Thomas Gallis erstes Buch “Die Schwere der Schuld” kein Fachbuch. Es richtet sich vielmehr an eine breitere Leserschaft mit Interesse an dem Thema Kriminalität.

Im Mittelpunkt von Thomas Gallis neuem Buch stehen Straftäter (ihre Biographien, ihre Straftaten und ihr Leben hinter Gittern), die schlimmste Straftaten begangen haben. So soll etwa in einer Geschichte ein Sexualmörder nach einer Therapie in Haft erneut Hafturlaub bekommen. Der Autor, der u.a. 7 Jahre lang in der bayerischen Hochsicherheitsanstalt Straubing tätig war, wirft anhand konkreter Einzelfälle die Fragen auf, ob unser Staat bei der Einschätzung und im Umgang mit gefährlichen Straftätern von den richtigen Grundannahmen ausgeht, ob nicht zum Teil staatliches Verhalten Gefahren erst provoziert, ob die Allgemeinheit vor den sehr wenigen höchst gefährlichen Tätern tatsächlich ausreichend gesichert ist und ob in der angst-und wutgesteuerten Fixierung auf die Täter den Opfern noch gerecht wird.
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Rheinland-Pfalz: “Resozialisierung kostet viel Geld, das wir nicht ausgeben”

Die Zahl der Strafgefangenen geht zurück, aber viele sind nicht nur einmal im Gefängnis – Bewährungshelfer kämpfen für mehr Personal. Wie lässt sich verhindern, dass fast die Hälfte der Strafgefangenen in Rheinland-Pfalz rückfällig wird? Diese Frage bewegt Politiker und Strafrechtler. Es hat auch einen praktischen Grund: Trotz zurückgehender Häftlingszahlen sind die Gefängnisse in Trier und Wittlich voll.

Auf den ersten Blick sind die Angaben des Statistischen Landesamtes zur Zahl der Strafgefangenen und Sicherheitsverwahrten positiv: Ende März saßen in den zehn Justizvollzugsanstalten in Rheinland-Pfalz 2637 Menschen ein. Das sind 97 Männer und Frauen weniger als noch vor einem Jahr. Im Vergleich zu 2006 waren es sogar 23 Prozent weniger.
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Wegsperren? Hilft nicht!

Wenn man erfolgreich resozialisieren will, gehören mindestens die Hälfte aller derzeitig Gefangenen nicht ins Gefängnis, weder aufgrund ihrer Taten noch aufgrund ihrer Gefährlichkeit“, sagt der Jurist und Sozialwissenschaftler Bernd Maelicke. (Von Martín Steinhagen)

Er widerspricht der Vorstellung, Haftstrafen würden die Gesellschaft friedlicher machen. Als Student in den 60er Jahren hat er sich noch für die Abschaffung von Gefängnissen eingesetzt, war dann ab 1990 selbst 15 Jahre lang in Schleswig-Holstein als Ministerialdirigent für den Strafvollzug zuständig. Nur Täter, die anders nicht zu erreichen und tatsächlich gefährlich sind, gehörten zumindest zeitweise in den geschlossenen Vollzug, sagt er heute. Bei allen anderen seien offener Vollzug oder „ambulante Maßnahmen“, wie gemeinnützige Arbeit, Bewährungshilfe, betreute Wohngruppen oder begleitende Therapien, wirksamer.
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Raus aus dem Knast, rein in die Armut

Die meisten der 64 000 Häftlinge in Deutschland arbeiten hinter Gittern, doch einen Anspruch auf Rente erwerben sie damit nicht. Eine Gefangenen-Gewerkschaft will das nun ändern. (Von Sebastian Fischer)

Meistens hat er gern gearbeitet, obwohl er ahnte, dass es faktisch umsonst sein würde. Hubertus Becker hat Elektroteile zusammengeschraubt, er war Buchhalter einer Druckerei, später studierte er, und Bücher schrieb er auch, insgesamt mehr als 20 Jahre lang. Und deshalb hat Becker die Wut gepackt, als er in der vergangenen Woche seine erste Rentenüberweisung las. 43 Euro. Mehr wird er wohl nie bekommen.
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